Open Government Data an der Quelle

Wie verankert man eigentlich das Thema „Open Government“ nachhaltig – wie bringt man das also auch in die Reihen des Verwaltungsnachwuchses? Öffnen sich die Hochschulen für dieses Thema?

Manchmal hilft ein Blick über den Zaun – wie machen das andere? Die guten Beispiele sind immer wieder auch die antreibende Kraft für Veränderung, wenn es um Open Government, um Öffnung von Kommunen geht. Diesmal schauen wir nach Baden-Württemberg und haben IVAN AĆIMOVIĆ aus Freiburg drei Fragen zum OpenGov gestellt, der dazu in Hochschulen und Ausbildungsstätten für Verwaltungsmitarbeiter unterwegs ist.

Ivan Aćimović leitet die Stabsstelle Open Government bei der Stadt Freiburg seit 2014. Seine Tätigkeit beinhaltet die strategische Erarbeitung und Implementierung der Einsatzpotenziale innovativer Technologien im Bereich des offenen Regierungs- und Verwaltungshandelns. Auf Landesebene von Baden-Württemberg ist er Vorsitzender der interdisziplinären AG „Open Government“ des Städtetags BW und auf Bundesebene im Vorstand als Beirat für „Digitale Services“ der Kommune 2.0 engagiert tätig.

Ivan, was ist Dein Anliegen, wenn Du mit dem Thema Open Data und Open Government jetzt auch in die Hochschulen und Ausbildungsstätten von Verwaltungsnachwuchs ausschwärmst? 

„Open Government“ ist der Schlüsselbegriff eines veränderten Rollenverständnisses der Verwaltung in einer modernen Gesellschaft. Daten haben nicht nur eine Beweisfunktion, sondern sind der Treibstoff für eine innovative und interaktive Bürgerbeteiligung. Das Thema ist immer noch für die meisten Verwaltungen neu und unentdeckt. Das gilt auch für die Verwaltungshochschulen. Dabei geht die Nutzbarkeit von offenen Daten aber auch von einem ganzheitlichen Ansatz von Open Government verloren. Deshalb möchte ich den Studierenden die Möglichkeit geben, positive Anregungen und Beispiele aus der Verwaltungspraxis kennenzulernen.

Ist es wichtig, die Grundidee für diesen Paradigmenwechsel zu erklären? Viele halten Open Government für einen Selbstzweck. Was sagst Du dazu?

Open Government bietet eine unerschöpfliche Quelle an Chancen. Um diese zu fördern bedarf es einer veränderten Grundeinstellung, die darin besteht, das Wissen zu öffnen und zu teilen. Das Wissen geht dadurch nicht verloren, sondern es vermehrt sich. Dieser Wandel wurde durch gesellschaftliche Forderung und Änderung der Gesetzeslage verstärkt. Insgesamt sind längerfristige Veränderungen in der Verwaltungskultur eingetreten. Ein Beispiel für den Paradigmenwechsel ist: von „Grundsätzlich sind alle Daten geheim.“ zu „Alle Daten sind öffentlich, die nicht aus besonderen Gründen wie Datenschutz als geheim eingestuft werden.“

In Freiburg gibt es eine neue Anwendung, kannst Du kurz beschreiben, worum es sich da handelt?

Mit Open Government Data rücken neue Dienste und Angebote auch bei der Stadt Freiburg in den Fokus. Schon seit Jahren werden städtische Daten und Informationen bereitgestellt. Z.B. mit dem Informationssystem „FR.ITZ“, dem Geodaten-Portal FreiGIS, dem Ratsinformationssystem oder dem Internetauftritt. (freiburg.de

Im Hinblick auf den sich ändernden Zeitgeist und wachsenden Ansprüchen aus der Bürgerschaft, Politik und Wirtschaft kommen neue Herausforderungen hinzu. Fast alle Bereiche des Lebens werden in Zahlen erfasst. Besonders spannend sind Entwicklungen im Zeitverlauf: Zeigt der Trend nach oben oder nach unten? Wie steht Freiburg im Vergleich zu anderen Städten da? Unterschiede in einzelnen Stadtvierteln können auf Karten anschaulich gemacht werden. Die Grundlage dafür ist ein sauberer, fokussierter Datensatz. 

Die Darstellung einschlägiger Daten mittels neuer digitaler Technologien, beispielsweise zur sozialen Lage, zum gesellschaftlichen Umfeld der Bevölkerung, zur Entwicklung der Mietpreise oder zu Unfallschwerpunkten, erarbeite ich mit Studierenden praktisch. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer setzt die Erkenntnisse in einem eigenen kleinen „datenbasierten“ Projekt um und macht sich selbst ein eigenes Bild davon.

Vielen Dank!

Wir freuen uns auf ein Roll-Out von Weiterbildung und Fortbildung dazu auch an den Hochschulen in NRW.

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