Spaltungs- und Polarisierungstendenzen gefährden die Fähigkeit unserer Gesellschaft, Krisen lösungsorientiert zu bearbeiten. Das Fachforum Nachhaltigkeit NRW betont daher: Demokratische Resilienz entsteht aus einem fairen, faktenbasierten Diskurs und der klaren Zurückweisung von Rassismus, Menschenfeindlichkeit und jeglicher Diskriminierung – bei gleichzeitiger Achtung der Meinungsfreiheit im verfassungsrechtlichen Rahmen. „Demokratie braucht Diskurs“ – diese Leitidee zieht sich als roter Faden durch das Papier. NRW, als bevölkerungsreiches und migrationsgeprägtes Bundesland, lebt Vielfalt täglich vor. Diese Vielfalt wird als Motor für wirtschaftliche Stärke, soziale Stabilität und ökologische Transformation verstanden – und als Vorbild für ein friedliches, inklusives Miteinander.
Das Fachforum Nachhaltigkeit NRW vereint starke Akteure, die seit über zwei Jahrzehnten die zukunftsfähige Entwicklung des Landes konstruktiv-kritisch begleiten. 26 nordrhein-westfälische Organisationen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Bildung, Kirche, Wirtschaft, Gewerkschaften und Sport legen ein gemeinsames Positionspapier vor. Auch wir von OKNRW unterstützen dieses Positionspapier. Ziel ist, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern, demokratische Institutionen zu stärken und die Umsetzung der Agenda 2030 in NRW konsequent voranzutreiben. Vielfalt wird dabei als strukturelle Stärke verstanden, die Widerstandsfähigkeit, Innovationsfähigkeit und soziale Kohäsion erhöht.
Die sieben Handlungsfelder im Überblick
- Stellung beziehen und Vielfalt leben
Zivilgesellschaftliche Organisationen positionieren sich ausdrücklich gegen Rechtspopulismus, Rassismus, Antifeminismus und jede Form der Menschenfeindlichkeit. Menschlichkeit und Wissen bilden das Fundament nachhaltigen Handelns. - Jetzt erst recht: mehr Engagement für die SDGs
In den verbleibenden fünf Jahren bis 2030 braucht es beschleunigte Umsetzung der SDGs – insbesondere der sozialen Dimension (SDG 4, 5, 10, 16). Geschlechtergerechtigkeit ist Grundrecht und Querschnittsaufgabe für gerechte Teilhabe und starke Institutionen. - Niemanden zurücklassen in der gerechten Transformation
„Leave no one behind“ heißt: systematisch Armut und Ungleichheit verringern, Diskriminierung beenden und demokratische Institutionen stärken. Teilhabe, soziale Absicherung und Mitbestimmung sind zentrale Instrumente – besonders in Regionen und Branchen des Strukturwandels. - Unternehmen und Beschäftigte einbeziehen
Wirtschaft braucht klare, konsistente Rahmenbedingungen – und sollte selbst Haltung zeigen: gute Arbeit, Diversität, Inklusion, Gleichstellung und glaubwürdige Verantwortung (CSR). Tarifbindung und betriebliche Mitbestimmung sind nicht verhandelbar: Demokratie endet nicht am Werkstor. - Kommunen vor Ort mitgestalten
Die Lokalisierung der Agenda 2030 gelingt nur mit guter, mandatierter Beteiligung. „Netzwerkkommunen“ setzen auf kooperative Planung, nutzen Schwarmintelligenz und brauchen solide Finanzierung, um Leistungen und Infrastruktur gemeinsam mit der Bürgerschaft zu realisieren. - Zivilgesellschaft stärken
Organisationen, die für Vielfalt eintreten – etwa migrantische, feministische oder LGBTQ+ Vereine – stehen unter Druck und benötigen verlässliche Förderung, Schutz und Sichtbarkeit. Breite, qualitativ hochwertige Bildungsangebote und kluge Öffentlichkeitsarbeit sind Schlüssel, neue Zielgruppen zu erreichen. - Soziale Medien regulieren – Gegengewichte aufbauen
Gezieltes Targeting und Desinformation erfordern klare Regeln und wirksame Regulierung. Parallel braucht es starke Allianzen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft für faktenbasierte Kommunikation und positive Reichweiten, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stützen.
Was bedeutet das für NRW?
- Politikfähigkeit sichern: Demokratische Institutionen und Rechtsstaatlichkeit bilden die Voraussetzung für Transformationsfähigkeit.
- Soziale Gerechtigkeit operationalisieren: Teilhabe- und Mitbestimmungsrechte, faire Arbeit und Geschlechtergerechtigkeit sind keine „Add-ons“, sondern wirkungsentscheidend.
- Kommunale Umsetzung priorisieren: Beteiligung wirkt nur, wenn sie gut vorbereitet, mandatierte Entscheidungswege hat und Ergebnisse sichtbar umgesetzt werden.
- Desinformation eindämmen: Plattformregulierung plus proaktive Wissenskommunikation schafft Orientierung und Vertrauen.
Download & weitere Informationen
Das komplette Positionspapier „Zusammenhalt statt Hetze: Demokratie und Gerechtigkeit als Rückgrat der Nachhaltigkeit“ mit Erläuterungen zu allen sieben Punkten steht als PDF zum Download bereit.
Weitere Informationen zu Aktivitäten des Fachforums Nachhaltigkeit NRW finden Sie ebenfalls im Dokument und über die beteiligten Organisationen.
