Der Sammelband „Science-Track 2025“ dokumentiert die wissenschaftlichen Erkenntnisse, Debatten und Praxisprojekte des OKNRW-Barcamps „Dis/connected – Was uns trennt, was uns verbindet“ 2025.
Die Beiträge im Überblick
- Gegen Hate-Bubbles: Diskursive Reintervention in sozialen Medien
Ulrich Greveler analysiert, wie algorithmisch verstärkte „Hate-Bubbles“ demokratische Diskursräume untergraben – und welche technischen und sozialen Strategien es gibt, um diese Räume zurückzuerobern. Statt auf Boykott oder Resignation setzt er auf „diskursive Reintervention“: koordinierte Gegenrede, die Normsignale setzt und toxische Inhalte durch kollektives Handeln sichtbar macht. Der Beitrag diskutiert, wie automatisierte Counter-Infrastrukturen (z. B. KI-gestützte Faktenchecks) mit menschlicher Moderation kombiniert werden können – und wo die Grenzen solcher Ansätze liegen. - Solarpunk Revisited: Kollektives Handeln für eine lebenswerte Zukunft
Christopher Reinbothe zeigt, wie der Solarpunk – als Bewegung und künstlerisches Genre – konkrete Bausteine für eine postkapitalistische Gesellschaft liefert. Von Genossenschaften und Plattform-Kooperativismus über Kreislaufwirtschaft bis hin zu Bibliothek-Sozialismus: Der Beitrag präsentiert praktische Modelle, die ökologische Nachhaltigkeit mit sozialer Gerechtigkeit verbinden. Reinbothe betont, dass Solarpunk nicht nur eine Utopie, sondern eine Einladung zum Handeln ist – etwa durch Commoning (gemeinschaftliche Ressourcenverwaltung) oder die Neugestaltung von Arbeit und Zeit (z. B. das 4-in-1-Modell). - Open Data trifft KI: Lokale Sprachmodelle für verständliche Datensätze
Tobias Siebenlist und Jennifer Gnyp untersuchen, wie generative KI die Nutzung von Open Data demokratisieren kann. Ihr Ansatz: lokal betriebene Open-Source-Sprachmodelle (z. B. Mistral oder Llama) generieren automatisch verständliche Beschreibungen für komplexe Datensätze – inklusive Kontext, Statistiken und Visualisierungsvorschlägen. Durch mehrstufige Qualitätssicherung (automatisierte Plausibilitätsprüfung + manuelle Freigabe) wird sichergestellt, dass die KI keine Fehlinformationen verbreitet. Das Projekt zeigt, wie digitale Souveränität und Datenzugänglichkeit Hand in Hand gehen können. - Community Engineering im Public Sector: Offene Zusammenarbeit in Git-Repositories
Sam Zeini analysiert, wie Open-Source-Prinzipien die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Zivilgesellschaft und Wissenschaft verbessern können. Anhand von GitLab-Repositories (z. B. dem Deutschland-Stack) zeigt er, wie Community Detection (Netzwerkanalyse) und Community Engineering (Prozessmodellierung) die interbehördliche Kooperation fördern. Der Beitrag plädiert für offene Lizenzen, transparente Merge-Request-Prozesse und die Einbindung von Copilot-Tools, um die Nachnutzung von Code (Einer-für-Alle-Prinzip) zu erleichtern. - Bonn-O-Mat: Lokale Wahlhilfe zwischen Bürgerschaft und Institutionen
Damian Paderta reflektiert die Erfahrungen mit dem Bonn-O-Mat, einem zivilgesellschaftlichen Pendant zum Wahl-O-Mat der bpb. Während der Wahl-O-Mat auf Bundesebene institutionalisiert ist, füllt der Bonn-O-Mat eine Lücke in der kommunalen politischen Bildung. Paderta diskutiert die methodischen Herausforderungen (z. B. Scheinpräzision der Prozentwerte, binäre Thesenformulierung) und zeigt, wie partizipative Thesenworkshops und transparente Redaktionsprozesse die Lokalpolitik verständlicher machen.
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