Archiv für den Autor: Dieter Hofmann

Wie open ist NRW und wie geht es weiter nach der Landtagswahl 2017?

„Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltung heute live auf Periscope übertragen wird!“ Einen besseren Einstieg ins Thema #Open konnte es fast nicht geben: nicht nur die Gäste im Saal konnten die kommenden zwei Stunden verfolgen – sondern auch alle, die sich live von wo auch immer zugeschaltet hatten. So viel zu open und den neuen Möglichkeiten in „diesem Internet“. Das Internet bietet aber noch weitere Chancen – nämlich auf insgesamt mehr Transparenz, Beteiligung und Teilhabe der Menschen am offenen Verwaltungs- und Regierungshandeln im Land. Damit ist das Thema der Podiumsdiskussion schnell umrissen: Wie open ist eigentlich NRW und wie geht es nach der Landtagswahl weiter auf dem Weg zu mehr Open Government? Weiterlesen

Zivilgesellschaftliche Empfehlungen für den Nationalen Aktionsplan Open Government

270 konkrete Vorschläge für einen Nationalen Aktionsplan Open Government Partnership (OGP) liegen jetzt auf dem Tisch der Bundesregierung. Sie sind das Ergebnis eines mehrwöchigen Partizipationsprozesses, im Laufe dessen Ideen und Expertise aus der Zivilgesellschaft gesammelt, diskutiert und priorisiert wurden. Der Prozess wurde durch einen Workshop im Bundesinnenministerium gestartet und vom zivilgesellschaftlichen Arbeitskreis Open Government Partnership Deutschland begleitet.

Seit Dezember 2016 beteiligt sich Deutschland am internationalen Zusammenschluss für ein offenes Regierungs- und Verwaltungshandeln (OGP). Konkret bedeutet das, dass auch in Deutschland bürgerschaftliche Teilhabe gestärkt werden und neue Wege für mehr Transparenz, Bürgerfreundlichkeit, offene Innovation und Effektivität von Regierungen und Verwaltungen beschritten werden sollen. Herzstück der OGP-Beteiligung sind nationale Aktionspläne, die in den einzelnen Staaten zusammen mit der Zivilgesellschaft erarbeitet werden. Eine zivilgesellschaftliche Ideensammlung für den ersten nationalen Aktionsplan liegt nun vor. Weiterlesen

Open Government-Aktionsplan auf allen Ebenen verankern

Nichts Geringeres als einen Kulturwandel läutet sie ein – die Open Government Partnership (OGP). Seit Herbst letzten Jahres nimmt Deutschland an diesem multinationalen Bündnis teil. Jetzt wird dafür ein Nationaler Aktionsplan erstellt:

RUND 50 Teilnehmer trafen sich deshalb zu einem ersten Workshop am 17.2. im Bundesministerium des Innern. Diesem ersten realen Treffen vorausgegangen waren bereits zahlreiche Online-Konsultationen, die allen Interessierten offenstehen. Wir als Arbeitsgruppe von OKNRW sind in den Prozess mit eingebunden und bringen insbesondere die kommunale Perspektive mit.

Bild: Anke Knopp

Bild: Anke Knopp

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Jetzt wird es konkret: Meilensteine für offenes Regierungs- und Verwaltungshandeln in Land und Bund

Es sind zwei Meilensteine, die 2016 auf dem Weg zum offenen Regierungs- und Verwaltungshandeln erreicht wurden: Der OpenGovernmentPakt NRW, geschlossen zwischen der Landesregierung und den NRW-Kommunen sowie die Mitarbeit Deutschlands in der internationalen Open Government Partnership (OGP), ein internationales Bündnis aus 70 Staaten, die sich der Idee eines offenen, transparenten, kooperativen Regierungs- und Verwaltungshandelns unter Anwendung moderner Technologien verpflichtet haben.

Beides, der Beitritt Deutschlands zur OGP als auch die Landesinitiative eröffnen die einmalige Gelegenheit, die politisch-administrative Kultur weiterzuentwickeln und den Wandel zur offenen Gesellschaft anzugehen und konkret mit Leben zu füllen. Dieser Kulturwandel wird dazu beitragen, dass Bürger, Regierung und Verwaltung gleichermaßen in hohem Maße profitieren auf dem Weg zu einer Politik 2.0. Weiterlesen

Data, driven: Wie mehr und offenere Daten zu zukunftsfähiger Mobilität führen

Daten in der Mobilität, das ist keine Zukunftsmusik, sondern Alltag. Das Navi? Datenbasiert. Die CarSharing-App? Datenbasiert. Die Auskunft beim Verkehrsunternehmen? Datenbasiert. Die Wettervorhersage? Datenbasiert. Ganz egal, welches Verkehrsmittel man nutzt: Daten spielen eine große Rolle in unserem mobilen Alltag.

Doch wir sind erst am Anfang der Entwicklung, und das trifft sich gut. Denn gleichzeitig sind wir mit Problemen konfrontiert, die dringend Lösungen brauchen: permanente Staus, überfüllter ÖPNV, Feinstaub und dessen Auswirkungen auf die Gesundheit, Lärm, CO2-Emissionen und damit verbundener Klimawandel – und einen Parkplatz findet man dank des Parkraumdrucks auch nicht mehr. Daten werden eine wichtige Rolle bei der Lösung dieser Probleme spielen. Weiterlesen

Geht nicht, gibt’s nicht!

Jeden Tag produzieren wir Verkehr, wenn wir die Haustür hinter uns schließen und zur Arbeit gehen, zum Einkaufen, zum Sport, zu Freunden, ins Kino, ins Theater, ins Schwimmbad oder in den Park. Jeden Tag betreiben wir Verkehrspolitik, ohne es zu merken, allein mit unserer Verkehrsmittelwahl. Nehme ich das Auto, den Bus, die Bahn, das Fahrrad oder Schusters Rappen? Wie kombiniere ich diese? Kann ich mit dem Rad in den Bus und dann weiterfahren? Fahre ich mit dem Auto zum Parkplatz und nehme dann die Bahn? Jedes Mal ist unsere Wahl ein kleines Stück Verkehrspolitik.

Und auf der anderen Seite bestimmt die städtische Verkehrspolitik unsere Entscheidung. Wo kein Bus fährt, kein Radweg liegt, kein Bürgersteig vorhanden ist, bleibt keine Wahl. Und in diesen Sphären der Verkehrspolitik wird es komplex, wir sind in der Welt des Ingenieurs, des Raumplaners, der Verwaltungsmaschine, der Gutachter. Und wer es noch komplizierter mag, denkt an die Landes- und Bundesebene, denn von dort kommen die Rahmenbedingungen, Verordnungen und – ganz entscheidend – das Geld. Weiterlesen

Open Government Manifest NRW

Kleiner ging es nicht? Genau. Kleiner als ein Manifest sollte es nicht sein. Auf dem Barcamp von #OKNRW 2015 fanden wir diesen Ansatz passend, wenn man offenes Regierungs- und Verwaltungshandeln (Open Government) für ein ganzes Bundesland adressieren will: Wir plädieren für ein offenes NRW! Die Idee dazu ist in einer Session entstanden – in vier Monaten haben wir es umgesetzt. Wir – das sind Aktive, die sich aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Beweggründen für Offenes Regierungshandeln einsetzen. Wir kommen aus der Partizipations- und Offene Daten-Bewegung – vernetzt sind wir durch und in #OKNRW.

Vor uns lag die Open-NRW-Strategie des Landes NRW – gerade mal zwei Jahre alt. Im Fokus stehen mehr Transparenz, mehr Bürgerbeteiligung, mehr Zusammenarbeit für NRW. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, politisches und administratives Handeln in NRW auf allen Ebenen transparenter und Institutionen übergreifend kooperativer zu machen. Die demokratische Kultur des Landes soll dadurch weiterentwickelt sowie die gesellschaftliche Problemlösungskompetenz durch eine intensivere Einbeziehung der Bürger gestärkt werden.

„Mehr“ fanden wir schon mal gut – unser Anliegen in einem Manifest aber sollte konkreter sein. Wir haben es in vier Prinzipien gefasst: Akteuere des Wandels finden, Kultur der Offenheit schaffen, digitale Infrastruktur zugrundelegen, frei gestaltbare Lebensräume ermöglichen.

Politik 1.0 war gestern

Offensichtlich sind viele Menschen nicht mehr einverstanden mit dem, was Regierungshandeln bisher bedeutet. Politik 1.0 hat ausgedient. Diesem alten Modell geht die Puste aus. Ihm bleiben die Menschen fern, das Staatsverständnis ändert sich: Die Bürger erwarten Transparenz in den Entscheidungsprozessen und Möglichkeiten zur Beteiligung. Die globalen Probleme wie Flucht und Vertreibung, Klimawandel oder der demographische Wandel können nicht von Politik und Verwaltung allein gelöst werden. Das Wissen und die Initiative der Bürger und Unternehmen müssen einbezogen werden.

Zudem ist die digitale Revolution ist in vollem Gange, versetzt jeden Einzelnen längst in eine Taktung des digitalen Null und Eins. Neue Formen der Information- und Kommunikation katapultieren die Gesellschaft in die Wissensgesellschaft. Dabei sind unterschiedliche Geschwindigkeiten entstanden: der Staat und die Institutionen hinken den technischen Entwicklungen und der gesellschaftliche Antizipation hinterher. Die Distanz wird größer zwischen den digitalen Alltagserfahrungen der Menschen in Arbeit, Familie und Beruf und den meist analogen Kontakten und Verfahrensweisen, wie sie in Behörden praktiziert werden. Während sich der Rest der Welt digital austauscht, bedarf es im Kontakt mit Politik und Verwaltung des persönlichen Erscheinens. Oft ist die Rangordnung dann auch gleich festgelegt: der Bürger als Bittsteller.

Gleichermaßen mit Hürden gepflastert ist noch immer die Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltung oder der Politik. Hier greift Politik 1.0 besonders: es wird in eine Richtung gesendet, während Kommunikation in den sozialen Netzwerken mittlerweile hierarchiefrei, in Echtzeit und auf Augenhöhe möglich ist. Über Twitter ist selbst Astro-Alex im All erreichbar. Das ruft nicht nur ein neues Staatsverständnis auf den Plan, sondern macht es unerlässlich. Es braucht ein Konzept und eine Haltung des Open Government, welches  diese Potenziale der Offenheit, Transparenz und Kooperation zwischen den vielen Akteuren in der Gesellschaft nutzt. Die Bereitstellung von offenen Verwaltungsdaten, E-Partizipation und die E-Zusammenarbeit (Soziale Medien) sind aus dieser Welt nicht mehr zu vertreiben.

Offenes Regierungshandeln bedeutet die Öffnung staatlicher Institutionen gegenüber allen gesellschaftlichen Gruppen. Es bedarf einer neuen Vernetzung und Interaktion von Staat, Verwaltung und Gesellschaft. Die Beziehungen zueinander sind neu auszuloten. Die Rolle als politischer Souverän gewinnt an Bedeutung, das Mitgestalten auf Augenhöhe ist nicht nur Gerede. Zusammenarbeit und Offenheit werden auf dem Weg in eine Wissensgesellschaft immer selbstverständlicher eingefordert. Offenes Regierungshandeln wird als eine Grundhaltung verlangt. Gebraucht wird eine Politik 2.0,  in der Transparenz (Open Data), Teilhabe (Partizipation) und Zusammenarbeit (Kollaboration) zentral sind. Politik 2.0 bedeutet eine zeitgemäße Weiterentwicklung hin zur Offenheit, also die pragmatische Umsetzung einer Open Government-Strategie. Diese Strategie der Offenheit stärkt die Demokratie und macht unsere Gesellschaft zukunftsfähig.

Offenheit, Offenheit, Offenheit

Offenes Regierungshandeln und Digitalisierung gehen Hand in Hand. Alle Lebensbereiche sind davon betroffen. Politik und Verwaltung sind davon nicht ausgenommen. Um diesen Wandel zu gestalten, brauchen wir Akteure des Wandels. Sie finden sich in allen Bereichen des demokratischen Zusammenlebens. Sie nutzen die Möglichkeiten der digitalen Gesellschaft und helfen mit, das offene NRW der Zukunft zu entwickeln. Wir haben das gerade in der Bewältigung der Flüchtlingskrise erlebt. Noch bevor staatliches Handeln organisiert war, schaffte bürgerschaftliches Engagement der vielen Akteure vor Ort Fakten in konkreter Hilfestellung wie Essensausgabe, Begleitung und Betreuung. Akteure des Wandels zeigen auch auf, wie etwa Offene Daten gewinnbringend für die Menschen (und die Verwaltung selbst) genutzt werden können, in dem sie aus öffentlich zugänglichen Daten Anwendungen entwickeln, die die Lebenssituation der Menschen verbessern.

Das gelingt nur durch eine Kultur der Offenheit schafft Partizipations- und Kollaborationsmöglichkeiten sowohl digital als auch physisch. Offenes Verwaltungshandeln bildet die Grundlage für bürgerschaftliches Engagement, wirtschaftliche Entwicklung und wissenschaftliche Innovation. Es fördert starke demokratische Prozesse, die offen sind für neue Ideen, Arbeitsweisen, Aspekte. Die Handlungsfelder sind umfassend: Mobilität, Bildung, Energie, Gesundheit, Verwaltungsprozesse und auch Meinungsbildung werden künftig in transparenten und offenen Strukturen entwickelt. Netzwerke spielen eine herausragende Rolle.

Eine offene digitale Infrastruktur bildet die Voraussetzung, um unsere Demokratie zu stärken und die Akteure des Wandels auf Augenhöhe zusammenzubringen. Sie ermöglicht die kooperative Kontrolle von Prozessen und die Weiterentwicklung von technischen Systemen. Für mich zentral ist hier der Ausbau mit Glasfaser, der leider blockiert wird durch den Vorrang eines Ex-Monopolisten mit dem Verbau alter Kupfertechnik. Es gibt kreative alternative Ideen, die sich vor Ort passgenau umsetzen ließen. Und dann formulieren wir auch noch: Öffentliche Räume sind Lebensräume – sowohl urban als auch ländlich. Sie bilden die Grundlage von Begegnung und Kommunikation. Es gilt sie sowohl digital als auch physisch zu schützen, zu stärken und kontinuierlich weiter zu entwickeln. Hier erhoffe ich mir die Diskussion, wie wir künftig zusammen leben wollen – auch unter dem neuen Aspekt, dabei auch scheitern zu dürfen, zu experimentieren.

Bewegung bitte !

Am 26.10.16 greift der Open Government Pakt für Nordrhein-Westfalen. Er soll die Zusammenarbeit von Land und Kommunen vertiefen. Da ist das Open Government Manifest NRW gerade richtig. Es ist ein Aufruf. Es ist eine Anregung, diese neue Form der Offenheit zu gestalten. Bürger, Politik und Verwaltung verhandeln neu, wie sie künftig zusammen wirken wollen. Teilhabe aller ist das Ziel. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die Technik. Technik ist nur das Mittel zum Zweck. Das Manifest und seine Autoren plädieren für ein offenes NRW. Es kommt darauf an, sich in Bewegung zu setzen. Offenheit ist ein verbindendes Element. Und ein bewegendes.

Hier geht es zum Manifest – bitte unterstützen: http://opengovernmentmanifest.nrw

Hier geht es zur Anmeldung von OKNRW http://oknrw.de/anmeldung/

Hier geht es zum Planungspad http://unserpad.de/p/OKNRW2016

Die Autorin:

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Anke Knopp, promovierte Politikwissenschaftlerin. Freiberuflern für #digitaleKommune und Bloggerin. Im Blog www.mehr-digitale-kommunen.de schreibt sie rund um die Themen zu Digitalisierung und Kommunalpolitik, aber auch zu Demenz. Ihre Schwerpunkte sind E-Partizipation, E-Government, Open Data sowie Open Government, SmartCity und SmartCountry.

Auf Twitter ist sie unter @nowanda1 erreichbar.

OKNRW Refugee Hackathon: Open Government at its best

Als vor einigen Wochen auf Twitter zu lesen war, dass Anke Domscheit-Berg zu einem Refugee Hackathon aufgerufen hatte, war klar, dass die Veranstaltung ein Erfolg wird – anfangs natürlich nur in Berlin. Umso erfreulicher war die Initiative von Offene Kommunen.NRW dieses Jahr neben dem erfolgreichen BarCamp, das mittlerweile die Vernetzungsbörse im Bereich Open Government in NRW geworden ist, auch einen Satelliten des genannten Hackathons in Wuppertal stattfinden zu lassen.

Unbeeindruckt vom Gezänk der Politik über den Umgang mit der aktuellen Situation haben sich vom 23. -25. Oktober 2015 weit über 200 Programmierer, Designer und Multiplikatoren in Berlin zusammengefunden, um nach dem inoffiziellen Motto „Programmieren um zu helfen“, ihr Bestes zu geben. Eine Liste der dort bearbeiteten Projekte findet ihr hier.

In der aktuellen Situation gibt es viele hilfsbereite Menschen und auch viele Projekte, die bereits angestoßen wurden. Jedoch fehlt es noch an der Vernetzung und jedes einzelne Projekt benötigt auch noch an der einen oder anderen Stelle Unterstützung. Denn eines darf man nicht unterschätzen, die beste Hilfe ist die lokale Hilfe. Die Unterbringung der Asylsuchenden findet überwiegend in den Kommunen statt. Daher ist der Refugee Hackathon im Rahmen von Offene Kommunen.NRW der richtige Weg.

Ein bisher nur unzureichend beachteter Aspekt bei den technischen Hilfsangeboten ist derzeit noch der Content. Wir müssen uns zusammen darüber Gedanken machen wie wir mit einem gezielten Crowdsourcing schnell, zielführend und maschinenlesbar diesen Content aus vielen Kommunen in Deutschland an einer Stelle gebündelt abrufbar machen können, so dass möglichst viele Hilfsprojekte davon profitieren. Vor allem müssen wir auch die Menschen/Helfer/Initiativen in die Lage versetzen, Informationen in das System einzuspeisen ohne dabei besondere technische Fähigkeiten besitzen zu müssen. Sollten wir dies erfüllen, dann können die Lösungen auch landes- oder bundesweit skalieren.

Das ist die neue Form der Daseinsvorsorge – die digitale Daseinsvorsorge. Sie entsteht aus der Gesellschaft heraus. Das bedeutet nicht, dass man den Staat und die Verwaltung aus der Pflicht nehmen soll, aber jedes Projekt aus der Zivilgesellschaft heraus sollte konstruktiv unterstützt werden. Umso erfreulicher wenn es solche Geschichten wie die des Projekts „Germany Says Welcome“ gibt. Gestartet auf einer Veranstaltung der Open Knowledge Foundation bei „Jugend hackt – West“ in Köln, fand sich nicht nur eine Gruppe junger Programmierer (alle unter 18 Jahren alt), die ausschließlich zum Thema Hilfe für Asylsuchende arbeiten wollte, sondern auch hochmotivierte Mitarbeiter der Stadt Köln, die direkt nach dem Wochenende eine informelle Arbeitsgruppe mit Vertretern aus vielen Teilen der Gesellschaft gründet haben. Wer Sie kennenlernen möchte, hat dazu beim Refugee Hackathon in Wuppertal Gelegenheit. Das ist Open Government at its best.

Dies ist aber nur ein Beispiel wie sich solche Projekte entwickeln sollten, um Selbsthilfe und Selbstorganisation zu unterstützen und neue Gestaltungsmöglichkeiten in den Kommunen zu eröffnen. Es gibt darüber hinaus auch noch viele weitere Ideen und Projekte, die es zu verfolgen und zu unterstützen gilt. Kommt zahlreich, kommt motiviert. Seid dabei, wenn die Welt sich ein kleines Stück verändert.

Der Autor Matthias Bock ist Referent der Piratenfraktion im Landtag NRW.
Bei Twitter ist er unter @MatthiasBock1 zu finden.
Mit @TomOdeb betreibt er den Blog Disruptive Politics – Politk & Digitale Revolution.

MatthiasB

Öffnet die Türen für offene Daten im Unterricht!

„Offene Verwaltungsdaten bergen prinzipiell die Chance einer neuen Bildungsgestaltung (Open Educational Resources).“ Diese These stellt das Fraunhofer Fokus Institut in einer Studie für die Stadt Köln auf, ohne allerdings eine Nachweis aufzuführen.

Die Stadt Moers ist daher im Herbst 2013 gemeinsam mit E-Government-Studenten der Hochschule Rhein-Waal und dem Moerser Gymnasium Adolfinum dazu angetreten, diese auf den ersten Blick einleuchtende These zu überprüfen. In einer der aus dem Projekt entstandenen Bachelorarbeiten hat Holger Lieske folgende Argumente von Fraunhofer Fokus einer kritischen Würdigung unterzogen:

• Der breite Themenraum offener Daten ermöglicht deren Einsatz in vielen Fächern.
• Die Quellen offener Daten sind vertrauenswürdig und somit besonders geeignet für den Unterricht an Schulen.
• Offene Daten sind im Gegensatz zu vielen Informationen in Schulbüchern aktuell.
• Offene Daten der Kommunen ermöglichen einen stärkeren lokalen Bezug der Wissensvermittlung.
• Offene Daten können interaktiv in den Unterricht eingebunden werden, was zumeist aufgrund des eher statischen Unterrichtsmaterials nicht möglich ist.

Alle Punkte spielen bei dem positiven Zwischenfazit (das Projekt geht ja noch weiter – in diesem Schuljahr u.a. erstmalig auch in zwei 7. Klassen!) eine Rolle. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass auch ohne die Öffnung der Daten im Sinne von Open Data die genannten Vorteile greifen würden. Nehmen wir das Beispiel Haushalt: Die Haushaltspläne der Stadt Moers stehen schon seit Jahren als PDF zum Download auf der Website bereit und bieten somit aktuelle Daten mit lokalem Bezug aus einer vertrauenswürdigen Quelle.

Offene, maschinenlesbare Daten eröffnen jedoch zusätzlich das Potenzial für die Entwicklung von Anwendungen wie z.B. Offener Haushalt, die interaktiv in den Unterricht eingebunden werden können. Und hier ist in den Unterrichtsstunden in den 9., 11. und 12. Klassen am Beispiel der Haushaltsdaten und Wahldaten die Stärke offener Daten zu Tage getreten: Der Zugang zu den Informationen war über die ansprechende Visualisierung erheblich einfacher und zielgruppengerechter als über die herkömmlichen Wege. Dies hat dazu geführt, dass sich die Klassen wesentlich schneller inhaltlich mit den Fragestellungen auseinandersetzen konnten und auch mit größerem Spaß bei der Sache waren.

Damit Open Data im Bildungssektor zu einer Erfolgsstory wird, bedarf es aber noch einiger Anstrengungen. Die Größte muss– wie so oft bei neuen Themen – in den Köpfen der Beteiligten in Angriff genommen werden: In Moers haben sich trotz vielfältiger Bemühungen nur eine Schule und nur ein Lehrer bereit erklärt, das Experiment mit offenen Daten zu wagen. Die Innovationsfreude in den Schulen scheint begrenzt, das sperrige Thema Open Data viel zu weit weg vom Lehreralltag, die Bedingungen für den Einsatz von interaktiven Webanwendungen vor Ort in vielen Schulen zu bescheiden (Computerräume, WLAN etc.).

Das Projekt „Open Data und Schule“ möchte einen Beitrag dazu leisten, dass der Wert offener Daten von allen Akteuren besser erkannt wird. Hierzu wird es einerseits sehr gut vom Lehrer Thomas Nolte im Wiki der Schule laufend dokumentiert, andererseits soll ein Vorgehensmodell entwickelt werden, dass – natürlich unter einer freien Lizenz – zur Verfügung gestellt wird und eine Orientierung für Schulen und Lehrkräfte bieten soll. Wünschenswert wäre nun noch die Entwicklung weiterer Anwendungen, die offene Daten nutzen und die sinnvoll in den Unterricht eingebunden werden könnten. Dies kann man durchaus als Aufruf an die Community sehen – oder z.B. auch an Schulbuchverlage…

Autor: Claus Arndt, Leiter der Stabsstelle Zentrales E-Government, Stadt Moers, auf Twitter als @derarndt unterwegs und auch bei Google+ zu finden.

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Wie kann ein offenes Netzwerk mit Leben gefüllt werden?

Als Geschäftsstelle Open.NRW freuen wir uns auf die diesjährige Tagung Offene Kommune NRW unter dem Motto „Geht doch!“. Schon zum 5. Mal treffen sich interessierte Bürgerinnen und Bürger in Wuppertal zum offenen Austausch. Bereits letztes Jahr haben wir die Tagung mit den verschiedensten Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr begrüßt. Fasziniert waren wir vor allem, mit welchem Enthusiasmus die Teilnehmenden sich zu den übergeordneten Stichpunkten Beteiligung, Engagement, Kooperation und Transparenz austauschen. Deswegen sind wir auch dieses Jahr sehr gespannt, welche bunte Mischung uns am 14. und 15. November in Wuppertal erwartet.

In den Kleingruppen, im BarCamp-Format, hoffen wir vor allem neue Impulse für die Open.NRW Strategie zu bekommen. Hierfür wird Open.NRW Geschäftsstellenleiter Christian Dinnus eine offene Fragerunde zu Open.NRW durchführen. Sie Fragen – Wir antworten! Uns interessiert: Wo können wir mit Open.NRW hin? Welche Anregungen kann uns die Community geben? Wo besteht noch Informationsbedarf zu Open.NRW?

OpenNRW_Dinnus

Björn Fleischer wird eine Session zum Open Government-Expertennetzwerk durchführen. In der Session werden die Ergebnisse der im September stattgefundenen Online-Konsultation zum Open Government Pakt kritisch unter die Lupe genommen. Neben konkreten Zielen und Maßnahmen im Bereich Open Data und E-Partizipation ist vorgesehen, ein Open Government Expertennetzwerk für NRW zu realisieren. Den Mitgliedern des Netzwerkes soll die Zusammenarbeit und der Wissensaustauch erleichtert werden, innovative Ideen sollen einfacher geteilt werden, neue Konzepte sollen entstehen können. Uns interessiert: Wie kann ein offenes Netzwerk mit Leben gefüllt werden? Wie kann die Zusammenarbeit im Netzwerk effektiv und effizient gestaltet werden?

Durch offene Fragestellungen und den regen Austausch hoffen wir zum Gelingen der Tagung beitragen zu können. Wir freuen uns schon!

OpenNRW-Geschäftsstelle