Bürger forschen mit – Open Government in Köln

Wir von #OffeneKommunenNRW sind immer auf der Suche nach guten Beispielen für Open Government in Kommunen. In NRW gibt es eine Reihe von Modellkommunen, die sich maßgebend auf den Weg machen, Open Government mit Leben zu füllen.

Der Kölner Weg ist ganz einzigartig – und ist ein echter Anreiz, dort gleich abzugucken – so reizvoll ist der Ansatz. Denn Köln setzt auf das Wissen der Vielen.

Das Foto zeigt den Kölner Dom.

Köln fragt Bürger

Wir haben uns mit drei Fragen erkundigt, wie das Open Government Projekt in Köln aussieht. Hier die Antwort, die wir von Jayan Areekadan @jayaree_cologne, Stadt Köln, erhielten: 

Was ist Ihr zentrales Projekt im Rahmen von Open Government? Könnten Sie dies kurz beschreiben?

Unter dem Stichwort „Bürger forschen mit“ oder auch „Citizen Science“ werden derzeit immer mehr Bürgerinnen und Bürger aktiv und übernehmen Aufgaben die originär staatlichen Stellen zugerechnet werden – nicht mit dem Ziel eine Konkurrenz, sondern vielmehr eine andere Sichtweise zu berücksichtigen.

Ziel ist es nun, aufbauend auf die bereits umgesetzten Maßnahmen in den beiden Bereichen Open Data und Bürgerbeteiligung, die tatsächliche Kollaboration zu ermöglichen. Hierzu soll eine aus der Bürgerschaft entstandene und an die Verwaltung herangetragene Idee in Zusammenarbeit und mit wissenschaftlicher Begleitung konzipiert und modellhaft umgesetzt werden.

Am Beispiel von Sensordaten (konkret Stickstoffdioxid NO2), die Freiwillige sammeln, soll der Prozess von der Datensammlung über die zur Verfügung Stellung bis hin zu der Diskussion über die fachliche Qualität und die Aussagefähigkeit initiiert und konzeptioniert werden. In diesem Rahmen werden auch die notwendigen Fachkenntnisse, wie z.B. die Funktionsweise und Inbetriebnahme von Sensoren, in Workshops an die interessierte Zivilgesellschaft vermittelt.

Übergeordnet soll ein flächendeckender Ausbau mit Hilfe weiterer, auch thematisch abweichender, Sensoren ermöglicht und gewonnene Daten als Open Data der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Hierzu müssen Sensordaten sicher erfasst, geeignet aggregiert und über eine Schnittstelle (API) ausgelesen werden können.

Die notwendige Sensor-Plattform, das Forschungsprojekt SensorCloud, wird von der Technischen Hochschule Köln entwickelt und wissenschaftlich betreut. Das System der SensorCloud soll einen komplexen Aufbau zur Erhebung, Verdichtung, Übermittlung und Steuerung von unterschiedlichen Sensordaten beinhalten. So ist sichergestellt das zukünftige sensornahe Anwendungsszenarien ebenfalls über das Projekt abgebildet werden können.

Was ist Ihr Beweggrund, sich Open Government zu widmen?

Das Thema Open Government hat viele Facetten, fokussiert sich hierbei aber auf die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Verwaltung. Nur durch eine enge Verzahnung kann Open Government nachhaltig funktionieren und vorangetrieben werden.

Bisher werden auf dem Portal www.offenedaten-koeln.de überwiegend Daten von öffentlichen Institutionen und von Bereitstellern aus Wirtschaft und Wissenschaft zur freien Nachnutzung zur Verfügung gestellt. Die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft beruht maßgeblich auf Projektförderung durch den erwähnten, ständig erweiterten, Datenbestand. Das Potential der Erweiterung und Veredelung von Verwaltungsdaten durch einen zivilgesellschaftlichen Input wird nicht genutzt und soll anhand des Modellprojektes exemplarisch erprobt werden.

Menschen, die auf diese Weise Wissen schaffen, werden für die Forschung immer wichtiger. Der Trend zu mehr Beteiligung ist dabei eine große Chance und gleichermaßen ein Gewinn für die zahlreichen Freiwilligen. Abhängig von der genauen Fragestellung können Bürgerinnen und Bürger mehr oder weniger leicht wichtige Daten selbst zur Verfügung stellen und somit selbst Teil einer mündigen kommunalen Open Government Bewegung werden.

Was wünschen Sie sich am Ende dieser ersten Etappe der Umsetzung der

Modellphase zu Open Government?

Durch das Modellprojekt soll eine neue Qualitätsstufe des vom Rat der Stadt Köln beauftragten Internetstadt-Konzeptes initiiert und umgesetzt werden, die die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Verwaltung in den Fokus stellt und fördert

Wünschenswert wäre, dass die Maßnahme nach erfolgreicher Umsetzung und Evaluierung, als Szenario für zukünftige städtische Implementierungen gelten und eine Kollaborationskultur in der Stadtverwaltung fördern würde.

Zusätzlich soll die Modellphase als Blaupause dafür dienen, wie Daten aus Kollaborationsprojekten systematisch als offene Daten eingebunden werden können. Bereits zur Verfügung stehenden offenen Verwaltungsdaten sollen durch die Maßnahme, insb. mit Hilfe der Bürger/innen erweitert und bestenfalls validiert werden können.

Nur durch eine breit ausgelegte Zusammenarbeit kann Open Government nachhaltig und nutzensteigernd für alle Beteiligten betrieben werden.

 

Vielen Dank für die Antworten! Wir freuen uns aufs Netzwerken am 11./12. November 2017 beim Barcamp in Wuppertal von #OffeneKommunenNRW. 

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