Data, driven: Wie mehr und offenere Daten zu zukunftsfähiger Mobilität führen

Daten in der Mobilität, das ist keine Zukunftsmusik, sondern Alltag. Das Navi? Datenbasiert. Die CarSharing-App? Datenbasiert. Die Auskunft beim Verkehrsunternehmen? Datenbasiert. Die Wettervorhersage? Datenbasiert. Ganz egal, welches Verkehrsmittel man nutzt: Daten spielen eine große Rolle in unserem mobilen Alltag.

Doch wir sind erst am Anfang der Entwicklung, und das trifft sich gut. Denn gleichzeitig sind wir mit Problemen konfrontiert, die dringend Lösungen brauchen: permanente Staus, überfüllter ÖPNV, Feinstaub und dessen Auswirkungen auf die Gesundheit, Lärm, CO2-Emissionen und damit verbundener Klimawandel – und einen Parkplatz findet man dank des Parkraumdrucks auch nicht mehr. Daten werden eine wichtige Rolle bei der Lösung dieser Probleme spielen.

Das Navi der Zukunft

Intelligente datenbasierte Mobilität sähe zum Beispiel so aus, dass das Smartphone feststellt, dass durch einen Unfall Stau die Strecke blockiert. Statt wie heute eine Alternativroute für den PKW vorzuschlagen, würde es vorschlagen, das CarSharing-Fahrzeug einfach am nächsten Bahnhof abzustellen, dann mit dem ÖPNV weiterzufahren, und anschließend mit einem Leihrad die letzten Meter in der Stadt zurückzulegen, da mehrere Baustellen am Ziel ein Vorankommen mit dem Auto eh schwer gemacht hätten, außerdem scheint am Zielort die Sonne. Um das Ticket braucht sich der Nutzer auch nicht mehr zu kümmern, das geschieht automatisch im Hintergrund, denn man hat ja Mobilität und kein Auto gekauft. Utopie? Ja. Noch.

Immer mehr Menschen sind viel eher daran interessiert, ein teures Smartphone denn ein eigenes Auto zu haben. Man will einfach schnell und komfortabel von A nach B, und wenn man dabei die Umwelt schont, dann ist einem das auch recht. Und je urbaner die Menschen leben, desto mehr merken sie, dass man mit einem Auto weder schnell noch komfortabel unterwegs ist: man kriegt ja eh keinen Parkplatz in der Nähe des Ziels, weil es zu viele anderen Autos gibt. Und manch ein Träumer erzählt dann etwas davon, dass die Stadt für Menschen und nicht für Autos da sein soll. Spätestens, wenn man nachts wach liegt, weil wieder irgendwelche Wahnsinnigen Rennen machen, oder weil einem der Kaffee mit einer leckeren Prise Diesel-Duft serviert wird, kann man diesem Traum doch so einiges abgewinnen.

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E-Auto, Pedelec, Fußverkehr: Mobilität muss zusammen gedacht werden. Bild © Volker Wiciok.

Die Daten müssen aus vielen Quellen kommen

Um die Verknüpfung von Mobilitätsmitteln voranzutreiben und so bessere Mobilität möglich zu machen, brauchen wir aber viel mehr Daten. Um das Beispiel von oben zu nehmen:

  • Die Staudaten kommen von dem Bundesland, welches die Autobahnen überwacht
  • Die CarSharing-Daten kommen vom CarSharing-Anbieter
  • Die BikeSharing-Daten kommen vom Bike-Sharing-Anbieter
  • Die ÖPNV-Daten kommen von den verschiedenen Verkehrsverbünden
  • Die Baustellen-Daten kommen von der Kommune
  • Die Park & Ride-Parkplätze kommen von der Kommune
  • Die Fahrradständer kommen von der Kommune
  • Die Wetterdaten kommen vom Deutschen Wetterdienst

Bislang besteht Car- und Bike-Sharing aus einem Flickenteppich aus zueinander inkompatiblen Systemen, es gibt nur wenige Kommunen, die Daten bereitstellen, die Stau-Daten gibt es nur eingearbeitet in kommerziellen Anwendungen wie Google Maps, und am ehesten kriegt man noch Daten vom ÖPNV, wo einzelne Pioniere weitreichend Daten zur Verfügung stellen. Es gibt eine Hand voll Verträge, die die Übertragung von Daten garantieren, aber diese Verträge zeigen auch ein riesiges Problem: man braucht eine große Verhandlungsmacht und viel Geld, und selbst dann hat man unvollkommene Daten. Am Ende arbeitet man aber doch wieder mit 10 Apps und 7 Zugangskarten. Das alles macht alternative Mobilität im Jahr 2016 kaum praxistauglich.

Mehr offene Schnittstellen und offene Daten wagen

Das können wir besser. Mit offenen Daten und offenen Schnittstellen lassen sich datenbasierte Mobilitätskonzepte der Zukunft realisieren, die Mobilität nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch einfach besser, lies: schneller und komfortabler machen. Und: mit offenen Daten lassen sich Planungen versachlichen und datenbasierte Entscheidungen für zukünftige Infrastruktur treffen. Wir müssen es nur wagen: wir müssen offene Schnittstellen und offene Standards schaffen, und allem voran müssen wir Daten veröffentlichen. Es wird sich lohnen.

PS: Mobilität der Zukunft kann übrigens auch noch mehr. Elektroautos und -busse, die einerseits 100 % regenerative Energie in der Mobilität ermöglichen, andererseits wichtiger Teil eines intelligenten Stromnetzes sind und nebenbei Lärm- und Feinstaub-Emissionen lösen? Autonome Fahrzeuge, die Staus und Unfälle verhindern, weil sie den größten Risikofaktor des PKW, den Fahrer, beseitigen? Das wird alles kommen. Aber hey: wir sind auf einem Barcamp. Lasst uns dies und noch viel mehr in den Barcamp-Sessions diskutieren. Ihr könnt schon jetzt Sessions vorschlagen!

Der Autor:

ernesto-ruge

Ernesto Ruge, mobilitäts-begeisterter selbstständiger OpenData-Entwickler
(ruhrmobil-E e.V., OKFN Deutschland, mobilität finden, mobil bei uns).

Bei Twitter ist er unter @the_infinity zu finden.

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